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Rüngsdorfer Kirchturm und meine Erinnerungen aus meiner Kindheit.

28. April 2013

 

Rüngsdorfer Kirchturm

und meine Erinnerungen aus meiner Kindheit.

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Etwas aus der Geschichte dieses alten Rüngsdorfer Kirchturms.

Der Rüngsdorfer Kirchturm, ein romanischer Chorturm, ist der einzige Überrest der alten Pfarrkirche St. Andreas im Bonner Ortsteil Rüngsdorf, der zum Stadtbezirk Bad Godesberg gehört. Er ist gemeinsam mit Grabkreuzen des 17./18. Jahrhunderts sowie einem Steinwegekreuz ein geschütztes Baudenkmal.

 Die Rüngsdorfer Kirche St. Andreas wurde in einer Urkunde vom 31. März 1131, in der Papst Innozenz II. dem Bonner Cassiusstift die Besitzrechte an der ecclesiam Rinnigestorph bestätigt, erstmals erwähnt. Das genaue Baujahr der ersten Rüngsdorfer St. Andreaskirche ist unbekannt. Der heute noch erhaltene romanische Chorturm datiert ca. aus dem Jahr 1200. Die Kirche gehörte somit in die Gruppe von Chorturmkirchen im Bonner Raum, die vor allem im Umfeld des Stiftes Vilich entstanden sind. Mit St. Laurentius in Lessenich war dem Cassiusstift eine weitere Pfarrkirche mit Chorturmanlage inkorporiert.

Möglicherweise hat es sich bei St. Andreas um eine Wehrkirche gehandelt, da sie im Turmzimmer über Schießscharten verfügt. Der Raum über der heute offenen Apsis wurde zur Aufbewahrung der Gemeindeakten und Feuerlöschgeräte genutzt und diente gleichzeitig als Raum für die Ratssitzungen. In den Jahren 1900 bis 1902 wurde die neue Pfarrkirche gebaut. Die alte Kirche sollte vollständig abgerissen werden. Aus Geldmangel konnte jedoch kein neuer Glockenturm gebaut werden. So fiel die Entscheidung, den alten Kirchturm zu erhalten, der auch heute noch als Glockenturm dient.

Zwei der drei alten Glocken sind erhalten geblieben. Diese stammen aus den Jahren 1746 und 1790.
Es gab wohl eine dritte Glocke, die im Jahre 1888– vermutlich von Christian Claren aus Sieglar – die Marien- und Andreasglocke gegossen. In einer Quelle wird sie als „mittlere“ Glocke bezeichnet. Diese Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und vernichtet.

Meine Erinnerungen an diesen Turm:

 

Als ich 6 Jahre alt war, zogen meine Eltern aus dem Pfarrhaus, wo wir von Oktober 1944 gewohnt hatten in das Pfarrheim, das hinter der St. Andreas-Kirche in der Rolandstraße stand. Dort wohnten vorher Schwestern vom Vinzentiner Orden, die den Kindergarten, der in diesem Pfarrheim untergebracht war, leitKirchturm,_Rüngsdorf4eten.

Von hier aus, hatten wir vom Flurfenster einen schönen Blick auf den alten Rüngsdorfer Turm. Von den hinteren Zimmern konnten wir auf die St. Andreas –Kirche sehen, den Garten, der zum Pfarrheim gehörte und dahinter die St. Andreas Volksschule.

Mein Vater ist frühzeitig pensioniert worden und hat dann den Küster der St. Andreaskirche übernommen. Diese Arbeit hat er mit großer Leidenschaft ausgeführt bis er 1960 an Leukämie starb.
Wir Kinder, ich (geb.1941), mein Bruder Hans-Josef (geb.1942), Bruder Albert (geb.1944), wurden in die Arbeit mit einbezogen. Kurz nach dem wir in diesem Pfarrheim wohnten kam unsere Schwester Christel (geb. 1948) zu Welt.

Mein Vater musste jeden Tag die Glocke läuten, mittags um 12.00 Uhr und abends um 19.00 Uhr, und eben auch wenn Messen in der Kirche gefeiert wurden.
Dann ging er über den Platz, mit einem riesengroßen Schlüssel, stieg die eichene Treppe des Turmes hoch, schloss die dicke Eichentür auf und nahm das Seil in die Hand und brachte damit die Glocke zum Schwingen, bis der Klöppel die Glocke berührte und das Glockengeläut begann.

Bei hohen Feiertagen wurden zwei Glocken in Schwung gebracht, die zweite Glocke war etwas stärker und brauchte mehr Kraft und auch Hilfe.

ruengsdorf69Natürlich durften wir Kinder mitgehen und helfen die Seile zu bewegen.

Oft knüpfte mein Vater das Seil so, dass wir dann mit schaukeln konnten. War immer ein Erlebnis.

Wie wir größer waren, klettern wir auch im Gebälk herum, was irre Spaß gemacht hat.

Auch das Gelände um diesen Turm herum fanden wir als Kinder spannend, dort waren uralte Gräber, die uns oft unheimlich vorkamen.

Aber dieser Turm gehörte einfach zu unserem Alltag.

Ich weiß nicht wie oft ich mit einem Zeichenblock am Fenster saß und habe den alten Turm gemalt.
Irgendwann in den 50er Jahren bekamen wir einen elektrischen Apparat im Flur, der auf Knopfdruck die Glocken läuten ließ. Aber wenn man beide Glocken läuten wollte, musste man ein paar andere Schalter bedienen, sonst klappte es nicht mit dem doppelten Glockengeläut. Die Firma behauptete, man könnte das nicht anders machen.

Das ging natürlich immer schief, wenn einer der hohen Feiertage war, und beide Glocken sollten läuten, musste mein Vater, mit dem selbstgebauten Telefon von der Sakristei in unserer Wohnung, anrufen und bitten, schnell die zweite Glocke anzustellen.

Das gab dann immer Ärger.

Nun setzte er allen Ehrgeiz daran, die Schaltanlage so zu machen, das beide Glocken zum jeweiligen Zeitpunkt zusammen anfingen zu läuten. Wochenlang hat er daran rumgebastelt. Stören durften wir Kinder ihn nicht, aber wenn ihm ein Schräubchen herunterfiel, durften wir alle suchen. Oft fanden wir es in dem Umschlag seiner Hose. Entgegen der Aussage der Firma, schaffte es mein Vater mit seiner Bastelei nun doch, dass beide Glocken anfingen zu läuten ohne dass ein zusätzlicher Schalter bedient werden musste. Der Firmenvertreter war überrascht und wollte genau wissen, was mein Vater gemacht hatte. Wie er weiter mit der Firma verhandelt hat, das weiß ich nicht mehr.

Aber ab da, waren die Zeiten vorbei, und der Besuch im Turm wurde seltener. Es ging eine Tradition zu Ende, und irgendwie ist etwas verloren gegangen.