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Meine Familie

28. September 2013

GeschwisterJuni1962-1Der Anfang

Wie ich schon geschrieben hatte, kam ich im Februar 1941 zur Welt, war das erste Kind. Mein Vater war wohl richtig stolz, eine Tochter zu haben, dagegen meine Mutter wollte einen Jungen.

Aber schon 15 Monate später bekam sie meinen Bruder Hans-Josef, sie hat ihn ihr ganzes Leben lang besonders behütet, beschützt und ihm vor vielerlei Übel bewahrt.

Er war kaum 1 1/2 Jahr alt, da bekam er eine Hirnhautentzündung, und wer die Hitlerzeit kannte, war das eine Todesdrohung. Die Ärzte wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Hirnhautentzündung vorlag und diese Krankheit führte in der Nazizeit dazu, dass man das Leben beendete, nicht versuchte die Krankheit zu heilen. Aber die Ärzte im Kamillianer-Krankenhaus haben das nicht der Gesundheitsbehörde gemeldet, der Junge einer Nachbarin ereilte das gleiche Schicksal. Aber beide Kinder wurden gesund.

Es war wohl für meine Eltern eine schlimme Zeit und sie hatten große Sorgen, vor allem weil Ihnen kurz vorher, durch die Explosion einer Bombe in der Nähe, meinem zweiten Bruder die Lunge geplatzt war, und er verstarb. Er war gerade mal fünf Monate alt.

Diese besondere Fürsorge hat meine Mutter meinem Bruder Hans-Josef,bis sie starb, entgegengebracht. Es war immer ihr Lieblingskind.

VaterDie anderen Kinder merkten das, bis mein Vater 1960 starb, nicht so sehr, dass immer ein Kind bevorzugt wurde.

 Kindheit und Schulzeit

Wer besonders darunter gelitten hat, war meine sieben Jahre jüngere Schwester Christel. Sie brauchte viel Liebe und Zuneigung, die sie aber von meiner Mutter nicht in dem Maße bekam.

Ich war auch oft sehr traurig, wenn ich merkte, dass es wieder und immer wieder zu Ungerechtigkeiten kam. Zum Beispiel als ich in die Schule kam, gab es einmal die Woche eine Tafel Schokolade. Die brachte ich mit nach Hause und alle meine Geschwister freuten sich darauf. Jeden Tag, bekamen wir ein Stück Schokolade, bis sie alle war. Aber es blieben immer 1 oder 2 Stücke übrig. Die stecke meine Mutter mal heimlich, mal offen, meinem Bruder Hans-Josef in den Mund, sogar dann, wenn ich daneben stand.

Als Kind empfindet man das sicher besonders schmerzhaft.

Die Mutter kümmerte sich auch immer mehr um meine 4 Brüder als um ihre 2 Töchter. Das ließ sich an vielen Dingen feststellen.

Es kam wenig Lob, wenn ich meiner Mutter bei der Hausarbeit half. Wir hatten immer einen Gemüsegarten unMuttermitihrenMaedchend später auch einen großen Obst- und Gemüsegarten. Die Erntezeit brachte immer viel Arbeit. Obst musste gepflückt werden, anschließend wurde zu Hause eingemacht. Ich habe immer geholfen, ich habe nie gemerkt, dass mich meine Mutter darüber freute.

Mit 11 – 12 Jahren habe ich mitgeholfen, die Kirche zu putzen. Das Pfarrheim worin wir wohnten, musste ich reinigen, hier kam es zu einer Begegnung:

Es waren zwei große Räume, die sauber gehalten werden mussten, in dem einen Raum stand ein Klavier, an die 50 Klappstühle und es war schwere Arbeit, wenn man dort putzen musste. Die Stühle wurden in eine Ecke gestapelt, das Klavier musste gerückt werden, alles habe ich alleine gemacht. Die Bibliothek war auch nicht so einfach zu reinigen, weil viele Regale mit Büchern dort standen.

Der große Eingangsbereich, mit 8 öffentliche Toiletten war zu reinigen und ich war oft total fertig, wenn ich die Arbeit gemacht habe.

Meine Mutter kam dazu und war mit irgendetwas nicht zufrieden, da hat dann die Leiterin des Kindergartens, der auch in diesem Pfarrheim untergebracht war, ihr gesagt, dass sie ungerecht ist. „Ich würde sehr gründlich und ordentlich putzen und sauber machen, sie sollte mal überlegen wie alt ich wäre.“

So lief das aber immer ab, oft ist mein Vater dazwischen gegangen.

Auch die Schulzeit war ein Beweis, mein Bruder Hans-Josef und ich waren nur 1 Jahr auseinander, meine Mutter hat immer nur meinem Bruder geholfen, sie hat sich sogar seine Schrift angeeignet und schrieb ihm die Aufsätze und die Rechenaufgaben, wenn ich und meine Geschwister Hilfe brauchten, gingen wir zu unserem Vater.

Zu Weihnachten bekam mein Bruder seine Wünsche erfüllt, ich kann mich nicht erinnern einen Wunsch erfüllt bekommen zu haben. Ich wollte immer gerne einen Puppenwagen haben.Im Pfarrhaus wurden oft Lebensmittel, Kleidung und Kinderspielzeug abgegeben. Eines Tages auch ein Puppenwagen, mein Vater restaurierte ihn und ich war stolze Puppenmutter mit Puppenwagen. Aber nur eine Woche, da musste ich ihn wieder hergeben, den Grund kannte ich nicht. Ich weiß, ich habe tagelang geweint.

Jugendzeit

Zum Ende des Jahres 1955 am 1. November bekam meine Mutter meinen jüngsten Bruder Klaus. Er war eine Geburt auf Leben und Tod. Wir zitterten Monate um das Leben meiner Mutter. Während der Zeit habe ich den Haushalt geführt, ich war 14 Jahre.

Ich arbeitete in einem Lebensmittelgeschäft. Erst als es meiner Mutter besser ging, bin ich dann in die höhere Handelsschule gegangen. Die Arbeit in diesem Laden war sehr schwer. Ich musste mit einem Rad Lebensmittel zu den Kunden bringen. Mein Bruder Hans-Josef machte eine Lehre im Konsum, auch er musste Ware zu Kunden bringen. Wir bekamen fast immer ein kleines Trinkgeld. Wer das abgeben musste war ich. Meinem Bruder Hans-Josef hat meine Mutter die Getränke und Süßigkeiten bezahlt, die er sich während der Arbeit im Konsum holte. Das war für mich nicht erlaubt.

TanteKaetheMeine Mutter hatte zeitweilig eine Hilfe im Haus, nachher war einige Jahre ihre Schwester Käthe bei uns. Das war eigentlich eine schöne Zeit, auch sie versuchte Ungerechtigkeiten zu egalisieren, wenn sie es mitbekam. Aber meine Mutter und meine Tante zerstritten sich, wegen Geld, und sie haben beide nicht mehr miteinander gesprochen und sich auch nicht mehr gegrüßt.

Meine Tante hat mir viel geholfen, oft fing sie mich vor der Haustüre ab und ich gab ihr mein Trinkgeld. So konnte ich mir dann auch mal ein Kakao oder Wasser während des 11 -12 stündigen Arbeitstages holen. Oder sie ließ mich nicht in die Wohnung gehen, wenn man darauf wartet, dass ich irgendwelche Arbeiten verrichten sollte, wobei mein Bruder im Wohnzimmer saß und sich erholte

Mein Vater starb 1960 und ein paar Monate davor sind wir in das Haus gezogen, dass mein Vater gekauft hatte. Die Renovierungen waren noch nicht abgeschlossen. Mein jetziger Mann und ich hab die restlichen Renovierungsarbeiten übernommen.

Mein Bruder habe ich dabei nie gesehen.

Die schwerste Zeit

1961 verlobte ich mich, aber die Verlobungszeit war eine sehr schwere Zeit.

Aus dem Korb meiner Aussteuer fehlte eines Tages eine Tischdecke mit Servietten. Die hatte meine Mutter genommen, um ein Hochzeitsgeschenk für die Tochter meiner Cousine zu haben. Ich war sehr böse. Mein Verlobter hat dann die Aussteuer zu sich nach Hause genommen.

Eine meiner Schwägerinnen zog in unsere Straße. Meine Mutter hat sich mit ihr angefreundet. Eines Tages war  ich Zeuge eines Gespräches mit meiner zukünftigen Schwägerin, in der meine Mutter über mich herzog. Ich war so fertig und habe dann weinend das Haus verlassen.

Die Familie meines Mannes hat oft versucht uns auseinander zu bringen, den Grund kannte ich ja nun. Es war einfach schrecklich.

Sicher, durch den Tod meines Vaters hatte meine Mutter auch Geldsorgen, aber sie gab auch viel Geld für meine Brüder aus, die nicht notwendig waren. Der Mann meiner Schwägerin konnte eine Zeit lang nicht für seine Familie da sein, hatte aber so viel gearbeitet und Geld zurückgelegt, dass meine Schwägerin mit dem Geld diese Zeit überbrücken konnte.

Meine Mutter hatte es fertig gebracht, dass sie sich von ihr eine Summe Geld borgte. Als sie es wieder haben wollte, hat meine Mutter erst durch Drohung meines Schwiegervaters, das Geld zurückgegeben. Wir haben davon nichts gewusst und mein Mann und ich waren schockiert.

Wir heirateten im Juni 1962. Eine gemeinsame Wohnung fanden wir erst im Nov. 62 hier in Niederkassel. Was passierte, mein Vater hatte eine Aussteuerversicherung für mich abgeschlossen, die war seit  dem Tod meines Vaters beitragsfrei.

Meine Mutter hat sich ungefragt eine Heiratsurkunde aus unserem Familienstammbuch genommen und hat sich die Aussteuerversicherung, mit einer gefälschten Unterschrift, auszahlen lassen.

Sie kaufte damit meinem Bruder ein Auto – einen Fiat – Führerschein wurde ihm auch bezahlt, obschon sie immer über Geldmangel klagte, aber den hatte sie nie wenn es um meinen Bruder ging.

Ich fing bei Mercedes an zu arbeiten. Mein Geld was ich verdiente musste ich bis auf den letzten Heller abgeben, ich durfte nichts behalten. Meine Mutter legte mir hin und wieder mal 0,50 DM hin. Oft hat sie mir sogar kein Fahrgeld gegeben und ich musste gut 15 km zu Fuß zur Arbeit gehen.
Ende des Jahres 1961 wollte ich das ändern. Meine Mutter sollte 300,00 DM meines Geldes bekommen, in meiner Volontärzeit bekam ich 337,00 DM, und ich wollte die 37,00 DM behalten. Das hat einen irren Krach gegeben. Ab da musste ich alles, was ich brauchte, selber bezahlen und hatte jetzt noch weniger wie vorher.

Sie ist sogar zu meinem Chef gegangen und wollte ihn dazu bringen, mein Geld ihr auszuhändigen, aber das hat er abgelehnt.

Das gemeinsame Leben

Die kirchliche Hochzeit haben wir mit Verwandten bei uns zu Hause gefeiert. Die Hochzeitsgeschenke wollte meine Mutter nicht herausgeben, als wir in unser neues Domizil zogen, aber unsere Trauzeugen haben das verhindert und alles eingepackt.

Wir wohnten nun in Niederkassel und das war doch ein ganzes Stück weit von Bad Godesberg – Rüngsdorf weg.

Den Kontakt zu meiner Mutter und Familie behielten wir bei und das Verhältnis wurde auch ein wenig besser. Aber mein Mann hat mir das Versprechen abgenommen, meiner Mutter nie Geld zu schenken, denn sie gab das immer sofort weiter an meinen Bruder Hans Josef. Wir hatten im Anfang unserer Ehe nicht sehr viel Geld, wir haben unseren Hausstand selber gekauft, ohne Hilfe von anderen. Darauf sind wir stolz.

Stolz, dass wir den Kontakt zu unsere Mutter nicht abgebrochen haben, sie war meine Mutter und ich konnte trotzdem nie das zurückgeben, was sie für mich und Geschwister getan hat. Der Grundsatz war wichtig:Mutter1961

„Vater und Mutter sollst du ehren, solange sie leben auf Erden.“

Soviel Böses und so viel Ungerechtigkeit haben wir ertragen und doch nach diesem Grundsatz gelebt.

Warum ich dieses alles niedergeschrieben habe, kommt daher, dass ich mich immer und immer wieder an viele solcher Gegebenheit erinnere und nicht verstehen kann, warum das so war. Dass die Geschwister untereinander kaum Kontakt haben, liegt dem Verhalten meiner Mutter zu Grunde.

Meine Geschwister

In dieser Erinnerung kamen meine Geschwister so gut wie nicht vor.

Das vierte Kind meiner Eltern, mein Bruder Albert hatte ein eigenes Leben. Er war der auserkorene Liebling meiner Tante, die gegenüber im Pfarrhaus wohnte und Albert war viel bei ihr und wurde auch von Tante Tinchen verwöhnt, bis zum geht nicht mehr. Als er in die höhere Schule kam, war er für eine Zeitlang im Internat in Knechtsteden. Danach ist er zur Bundeswehr gegangen. Bruder Albert ist am 19.04.2014 gestorben

Meine jüngere Schwester Christel lebte zu Hause, nach ihrer Lehre als Schneiderin, hat sie zeitweilig auch nicht mehr zu Hause gewohnt, sondern war Hausmädchen in diversen Familien, bis ihre Depression und psychische Leiden auftraten. Hier hatte sie auch keine Hilfe von Mutter oder den Brüdern. Die haben nicht verstanden, dass das eine Krankheit war, sondern taten das ab mit, zu faul und immer nur in den Vordergrund spielen. Sie ist am 21.05.2002 verstorben.

Mein Bruder Norbert er war ja 10 Jahr jünger hat diese Geschichten gar nicht erfassen können, der hat seine Schulzeit gut verbracht und eine Lehre als KFZ-Mechaniker vollendet und dann als er seine jetzige Frau kennen gelernt hatte, die Meisterprüfung gemacht. Er ist am 24.09.2013 verstorben.

Mein Bruder Klaus, er ist sogar 14 Jahr jünger, war eben unser Jüngster, aber diese Geschichten hat er auch nicht mit bekommen, er bewundert meinen Bruder Hans-Josef bis heute, was ich nicht tue, denn er hat seinen Stand bei meiner Mutter auch hinreichend ausgenutzt. Ich mache ihm keine Vorwürfe, er ist und war das Produkt meiner Mutter.

Vom 24. September 2013 bis zum 19. April 2014 sind drei Familienmitglieder verstorben.

25. September 2013

Norbert verstarb am 24.09.2013

Hier seine Daten:

Geboren wurde er am 2. März 1951 in Bad Godesberg,

er war das 6. Kind meiner Eltern

Er war verheiratet mit

Gisela Kurenbach, sie ist am 07.01.2014

98 Tage nach dem Tod ihres Mannes gestorben,und hatten eine Tochter Nadine, meine Gebete gelten ihr.
Meine Geschwister haben untereinander fast keinen Kontakt, dazu kann man den Artikel von meiner Schwester lesen, das eine der Gründe war.

Meine Gefühle bei der Nachricht waren erschrocken. Aber ich denke auch an meine Schwester Christel und auch an die Umstände ihres Todes.
Hier mal die Daten meiner Geschwister

Albert verstarb am 19.04.2014

er wohnte im Norden von Deutschland. Er hatte zu allen Geschwistern ein sehr kompliziertes Verhältnis und hatte einen Sohn und zwei Enkelkinder.

Meine Geschwister:

Hans-Josef,              geboren 06.06.1942
Klaus,                          geboren 12.10.1943 – gestorben  15.03.1944
Albert,                        geboren 24.12.1944 – gestorben  19.04.2014
Christel,                     geboren 12.04.1948 – gestorben  21.05.2002
Norbert,                    geboren 02.03.1951 – gestorben  24.09.2013
Klaus,                          geboren 01.11.1955